Aus dem Leben einer Lektorin

Meine 7 Learnings aus der Selbstständigkeit

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Diese Woche genau vor einem Jahr war eine auf­regende Woche. Es kam dazu, dass ich von der neben­beruf­lichen Selbst­ständig­keit in die „Voll­zeit-Selbst­ständig­keit“ wechselte.

Ich erinnere mich noch, dass es in der Woche viel zu regeln gab: Kranken­kasse, Rente, Versiche­rungen, Kunden infor­mieren und einiges mehr. Und ich erinnere mich, dass ich voller Energie und Vor­freude war. Endlich nur noch eine Sache. Nicht mehr auf drei Hoch­zeiten gleich­zeitig tanzen: Studium, Anstellung und Selbst­ständig­keit. Nur noch Rechen­schaft für mich ablegen, meine eigene Chefin sein.

Am 1. Mai war es dann schließ­lich so weit. Und seither ist flugs ein ganzes Jahr vergangen. Ein schönes Jahr! Aber auch ein Jahr, in dem vieles neu und auf­regend war, in dem ich mich auch erst etwas zurecht­finden musste. Es hat etwas gedauert, bis ich mich in meinen neuen Alltag ein­gefunden und neue Routinen ent­wickelt habe.

Dabei habe ich so einiges gelernt. Welche sieben größten Learnings ich aus meinem ersten „richtigen“ Jahr mit­nehmen darf, möchte ich daher heute mit Ihnen teilen. Vielleicht ist ja die ein oder andere An­regung für Sie dabei.

1) Hör auf dein Bauch­gefühl

Eins meiner wichtigsten Learnings ist: Hör auf dein Bauch­gefühl! Die Entschei­dung vor einem Jahr hatte auch einiges damit zu tun. Denn als ich über­legte, ob ich es mit der Selbst­ständig­keit wagen sollte oder nicht, bekam ich frei­lich nicht nur Bestätigung. „Sicher­heit“, „Fest­anstel­lung“ und „Krise“ waren nur ein paar der warnen­den Worte, die ich hörte, und die Ihnen vermut­lich auch nicht fremd sind.

Mein Bauch­gefühl sagte mir aber: Tu es. Ich bin jung, ich habe keine Familie zu ernähren, ich habe die letzten drei Jahre meine Selbst­ständig­keit aufgebaut, ich habe ein Netz­werk. Und wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter.

Klar standen auf meiner obli­gato­rischen Pro-und-Kontra-Liste auch Argu­mente, die dagegen­sprachen. Aber ich spürte, dass es richtig war. Und so tat ich es und traf somit eine der besten Ent­schei­dungen meines Lebens.

Aber auch im Business selbst hat mein Bauch­gefühl mittler­weile eine besondere Stel­lung ein­genom­men. Bei jeder Ent­schei­dung, die ich treffen darf, schaue ich erst, ob es sich richtig an­fühlt. Viel zu oft hatte ich das vorher igno­riert und mich später geärgert.

2) Habe ein Netz­werk

Auf meiner Liste stand als Pro-Argument: „Ich habe ein Netz­werk.“ Und genau das möchte ich noch mal hervor­heben. Denn es ist eins meiner Learnings, die ich aus diesem Jahr mit­nehmen durfte.

Als Solo­selbst­ständige ist man nun mal – wie es das Wort schon sagt – solo. Im Home­office ist es zwar gemüt­lich und die Jogging­hose sehr bequem, aber man ist viel allein. Ich mietete mich für kurze Zeit in ein Co­working-Space ein, während des zweiten Lock­downs wurde es mir aber zu un­sicher und ich ging wieder zurück in mein Büro.

Und war trotzdem nicht allein, da ich mittler­weile ein Netzwerk auf­gebaut hatte. Gleich­gesinnte, mit denen ich mich virtuell aus­tausche.

Konkret sieht das bei mir so aus: Ich bin Teil einer Unter­nehmer­com­munity, in der ich viel über Marketing- und Verkaufs­themen lernen darf. Das gemein­same Lernen in Gruppen­calls und der Aus­tausch im Forum machen großen Spaß und man sieht, welche Heraus­forderungen, aber auch welche Erfolge die anderen haben.

Bald starte ich außer­dem noch mit einem Unter­nehmer­team, das sich einmal die Woche trifft, aus­tauscht und sich auf Basis von Empfeh­lungs­marke­ting gegen­seitig unter­stützt.

Eine weitere Stütze sind mir meine zwei Accounta­bility-Partne­rinnen:

Mit der einen treffe ich mich immer am Monats­ende. Wir legen unsere Ziele für den nächsten Monat fest und tracken, ob wir sie erreicht haben. Wenn nicht, wird nach­gehakt: warum nicht? Was denkst du, woran es lag? Ist ein Ziel erreicht, wird dem anderen virtuell kräftig auf die Schulter geklopft.

Mit der anderen Accounta­bility-Partnerin treffe ich mich eng­maschiger, nämlich wöchen­tlich. Das Prinzip ist das gleiche, nur statt Monats­zielen geht es hier um Wochen­ziele.

Mit beiden Buddys teile ich eine Google Doc. Dort hält jeder seine Ziele fest und streicht sie bei Errei­chung durch. Sie glauben gar nicht, wie sehr es an­spornt, wenn Sie sehen, dass der andere schon viel mehr geschafft hat. Dann nehme ich mir die Zeit, ignoriere, ob ich Lust habe oder nicht, und dann wird mein To-do um­gesetzt! So entsteht ein Gefühl von Fort­schritt und das wiede­rum ist sehr moti­vierend.

Ich kann Ihnen also eben­falls ans Herz legen, sich mit anderen auszu­tauschen und sich so „on track“ zu halten.

3) Habe Ziele und setze sie um

Und da komme ich auch schon zum dritten Learning, das mit dem zweiten Hand in Hand geht: Ziele setzen!

Als ich noch neben­beruflich selbst­ständig war, plätscherte alles so vor sich hin. Jetzt ist es anders, jetzt weiß ich, was ich erreichen möchte. Denn ich habe mich zum Ende des Jahres das erste Mal ausgiebig mit meiner Planung aus­ein­ander­gesetzt.

Das mache ich so:

Ich überlege: Wo will ich generell hin? Was davon möchte ich im Jahr 2021 erreichen? Dann habe ich meine vier größten Themen/Ziele jeweils auf ein Blatt Papier auf­geschrie­ben und außer­dem fest­gehalten: Was sind konkrete Erfolgs­merk­male? Warum ist das wichtig für mich? Diese vier Blätter habe ich in meinem Büro auf­gehängt, sodass ich sie jeden Tag sehe. Allein diese ständige Visuali­sierung ist schon super­hilf­reich.

Diese Ziele breche ich dann auf kleinere Ziele herunter und setze sie jeweils in Sechs-Wochen-Sprints um, wie ich es in einem Workshop gelernt habe. Sechs Wochen volle Power, danach zwei Wochen Pause, in denen ich an keinen eigenen Projekten arbeite (an Text­projekten meiner Kunden natürlich schon).

Dieses neue System hat sich bei mir total bewährt. Getrackt wird es wieder mit meinen zwei Accoun­tability-Partne­rinnen. Eine fragt auch immer ganz für­sorglich, ob ich in meinen zwei Wochen Pause auch wirklich brav Pause mache. Ja, doch, das klappt meistens ganz gut. ;)

4) Kenne dich selbst

Wenn ich unter Punkt 3 schreibe „Das neue System hat sich bei mir bewährt“, meine ich, dass ich zunächst verschie­dene Varianten aus­probiert habe und mich dabei beo­bachtet habe, wie es klappt. Schließlich bin ich beim System, das für mich am besten passte, hängen­geblie­ben.

Daher mein Learning: Schau, was dir liegt, beobachte, wie dir die Dinge am leichtesten von der Hand gehen, kenne dich selbst. Denn wenn es mir und meinem Körper gut­geht, bin ich auto­matisch viel produk­tiver. Ich habe in dem Jahr fest­gestellt, welcher Rhythmus mir optimal dabei hilft, den Tag über konzen­triert zu bleiben und den Tag zu genießen.

In diesem Artikel lesen Sie, wie mein Alltag im Detail aussieht.

Mein Learning ist: Wenn ich weiß, wie ich und mein Körper ticken, kann ich mir das zu­nutze machen und so planen, dass ich bei der Arbeit ins­gesamt effek­tiver werde.

5) Spring über deinen Schatten

Auch wenn ich dafür bin, mir den Tag so an­genehm wie möglich zu ge­stalten, habe ich doch gelernt, dass ich nicht immer in meiner Komfort­zone bleiben kann. Auch wenn das natür­lich gemütlicher wäre. ;)

Wenn ich meine Ziele erreichen möchte, muss ich auch ab und an meine Angst über­winden und über meinen eigenen Schatten springen.

Eine der Kämpfe, die ich dieses Jahr – zumin­dest halb­wegs – gegen mich gewonnen habe, ist (erwarten Sie jetzt bitte nichts Über­ragendes): zu tele­fo­nieren! Wissen Sie, ich mag das einfach nicht. Die Einzige, mit der ich gerne tele­foniere, ist meine Oma. Anson­sten bin ich – klar, ich bin ja Lektorin – ein­deutig der schrift­liche Typ und schreibe lieber E-Mails.

Manch­mal kam ich damit im berufl­ichen Kon­text aber nicht weiter. Und wenn dem so war, bin ich mit Herz­klopfen durchs Büro getigert, während ich ge­wählt habe.

Dieser Zu­stand gefiel mir nicht.

Ich wollte nicht durch mich selbst ein­ge­schränkt werden. Also habe ich mich mit dem Thema etwas inten­siver aus­einander­gesetzt und habe dabei ein paar hindernde Glaubens­sätze aufgespürt. Zum Beispiel: „Ich möchte niemanden stören und auch nicht lästig sein.“

Mit etwas Nach­denken und auch mit Hilfe eines Coaches, mit dem ich zwei Stunden daran ge­arbeitet habe, haben sich meine Sorgen ver­flüchtigt. Wenn ich störe, wird der Gesprächs­partner das Tele­fonat gar nicht erst an­nehmen oder sagen, dass ich später wieder an­rufen soll. Alles halb so wild.

Mein Learning: Ob ich Sachen im Business tue oder nicht, möchte ich selbst frei ent­scheiden. Ich möchte mich dabei nicht durch Angst zurück­halten lassen. Und dann heißt es halt manchmal: Augen zu und durch. Schließ­lich weiß ich ja, wofür ich es tue. :)

6) Sei authentisch

Mein sechstes Learning, das ich aus diesem Jahr mit­nehmen darf, ist: Sei authentisch, sei du selbst. Und ja, das Wort „Authen­tizität“ ist mittler­weile ziemlich aus­ge­lutscht. Aber trotz­dem nicht weniger wichtig.

In diesem Jahr habe ich mehr das Selbst­bewusst­sein entwickelt, mich mehr so zu zeigen, wie ich eigentlich bin. Einer­seits in meinen Recht­schreib­videos, anderer­seits in meinen Texten. Denn dort schreibe ich mittler­weile viel mehr so, wie ich spreche. Und diese lockere Art kommt super an!

Aber trotzdem gefällt es nicht jedem, denn im Business-Kontext soll man profes­sionell auf­treten, seriös rüber­kommen und am besten sich noch hoch­gestochen aus­drücken. Ich war un­sicher: Bin ich zu sehr ich?

Irgend­wann war ich aber an einem Punkt, an dem mir das egal wurde. Und genau das war mein Learning: Die, die mich trotz­dem – oder gerade des­wegen – mögen, das sind die, mit denen ich arbei­ten möchte.

Denn gerade als Lektorin müssen mir meine Kunden vertrauen, es muss per­sön­lich passen. Es ist immer wieder eine Über­windung, einen Text, in dem doch noch so einige Fehler­chen schlum­mern, in fremde Hände zu geben und korrigieren zu lassen. Und da muss die Chemie dann schon stimmen.

Konkret hat sich seit meinem Learning Folgendes verändert: Früher habe ich immer sehr viele Menschen in meinem Umfeld um Rat gefragt, bevor ich irgendwas gemacht habe. Bevor ich ein Video, einen Blog­artikel ver­öffent­licht habe, bevor ich dieses und jenes tat. Das habe ich kom­plett ein­gestellt.

Naja, nur mein Freund darf manch­mal einen Blick drauf werfen und seine Meinung abgeben: lieber A oder B? Das Lustige: Sagt er A, nehme ich meistens trotz­dem B. :D Ich mache es jetzt einfach so, wie ich es am besten halte, denn ich kann es ja sowie­so nicht jedem recht machen.

7) Lagere Unliebsames aus

Kommen wir noch mal zu den Learnings zurück, die konkret die Arbeit betreffen: Diese, so musste ich fest­stellen, besteht leider nicht nur aus Korri­gieren und Lekto­rieren, sondern auch aus ziem­lich viel drum­herum: Buch­haltung, Steuern, Content­produk­tion, Kunden­service und mehr.

Da ich im letzten Jahr mehr Auf­träge und Texte kor­rigiert habe als (je) zuvor und meine Zeit leider nicht linear mit­wächst (schade, eigent­lich!), habe ich be­gon­nen, regel­mäßig anfallende, un­lieb­same Tätig­keiten aus­zu­lagern.

Angefangen hat es mit der Technik, nach­dem ich das ein oder andere Mal ver­zweifelt vor Double-Opt-ins, Ver­knüpf­ungen von Freebies, News­letter-Sequenzen und Landing­pages oder anderen unver­ständ­lichen Dingen saß. Ich suchte mir also kurzer­hand eine virtuelle Assis­tenz, die mich seit­her bei solchen tech­nischen Dingen unter­stützt.

Weiter habe ich meine Buch­haltung an eine Steuer­kanzlei ab­gegeben, die nun auch meine Steuererklärungen macht (zuvor hatte ich das selbst gemacht). Wie sich die Suche nach meinem Steuerberater gestaltete, lesen Sie in diesem Blogartikel. Spoiler: Das war was!

Durch dieses Out­sourcing habe ich mehr Kapa­zität für meine Kunden und ihre Texte. Ich bin der Meinung, dass jeder das tun sollte, in dem er richtig gut ist. Und dazu ge­hören bei mir weder Technik noch Zahlen, sondern vor allem Buch­staben und Texte. Wenn ich von meinen Kunden er­warte, dass sie das Korrektur­lesen oder Lekto­rieren an einen Profi aus­lagern, möchte ich außer­dem mit einem guten Bei­spiel voran­gehen. ;)

Rückblick

Wie Sie sehen, hatte ich in diesem einen Jahr meiner Voll­zeit-Selbst­ständig­keit einige Aha-Momente. Diese sieben Learnings waren vermut­lich nicht die einzigen, jedoch die ein­präg­samsten. Außerdem ist dieser Blog­artikel eh schon etwas zu lang ge­wor­den, also: Es freut mich, dass Sie bis hierhin bei mir ge­blieben sind!

Jetzt bin ich aber auch ge­spannt: Wie ist das bei Ihnen? Welche größten Learnings hatten Sie in Ihrer Selbst­ständig­keit? Schreiben Sie mir doch gerne unten einen Kom­men­tar, ich freue mich auf den Aus­tausch.

Hallo, ich bin Susanne Schaffer. Ich unterstütze Soloselbst­ständige, die bezüglich ihrer Rechtschreibung und ihres Stils unsicher sind.

Durch mein Lektorat helfe ich Ihnen dabei, mit fehlerfreien Marketingtexten einen professionellen Eindruck bei Ihren Kunden zu hinterlassen.

Im Gegensatz zu anderen Lektoren biete ich neben meiner Korrektur eine persönliche Rechtschreib­analyse. Dadurch werden Sie in der Kommuni­kation mit Ihren Kunden sicherer.

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CT
Celine Tüyeni - Texte mit Ziel

Liebe Susanne,

danke für Deine Einblicke! Gerade das Thema auslagern beschäftigt mich auch gerade, das sehe ich genauso wie du. Ich muss mir einen Überblick verschaffen, was VA alles kann und macht. Mit wem arbeitest Du? Gerne auch persönlich - würde mich freuen, wenn Du mir schreibst.

Glg Celine

 

Antwort von Susanne Schaffer

 

Liebe Celine,

sehr gern!

Ja, ich schreibe dir heute noch eine E-Mail und berichte. :)

Viele Grüße
Susanne

YM
Yuliya Meier - yuliyameier.com

Liebe Susanne,

Ich finde diesen Post super, tolle Tipps. Vor allem das Thema Authentizität in Texten hat mich sehr berührt. Ich versuche auch gerade so zu schreiben, wie ich spreche und nicht wie ich meine Diplom-Arbeit geschrieben habe ;) Das ist gar nicht so einfach.

 

Antwort von Susanne Schaffer

 

Hallo Yuliya,

danke für dein nettes Feedback!

Das kann ich gut nachfühlen! Für mich war es auch nicht einfach, ins lockere Schreiben zu kommen, nachdem ich meine Masterarbeit geschrieben hatte. Mein Tipp: genau die Gedanken aufschreiben, die kommen. :)

Herzliche Grüße
Susanne

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