Kommasetzung

Kommt ein Komma vor den Infinitiv mit „zu“?

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Als Soloselbstständiger kommst du häufig in die Situation, dein Business vorstellen zu dürfen. Auf der Startseite deiner Website, auf einer Netzwerkveranstaltung oder sei es auch nur im Vorstellungs­posting einer beruflich genutzten Facebook-Gruppe.

Für genau solche Situationen solltest du dir einen Elevator Pitch zurechtlegen. Also eine kurze Zusammen­fassung davon, welche Leistung du welcher Zielgruppe und mit welchem Nutzen anbietest.

Unsicherheit im Elevator Pitch: Komma vor „zu“?

Oft beginnt der Elevator Pitch mit Verben wie „helfen“ und „unterstützen“. Diese beiden Verben können einen Infinitiv mit „zu“ einleiten. Und genau das ist die Stelle, wo viele Solo­selbst­ständige unsicher sind: Wird ein Komma gesetzt oder nicht?

Schauen wir uns mal zwei mögliche Elevator Pitchs von mir an:

1) helfen ... zu

1a) Ohne Komma

  • Ich helfe Soloselbstständigen fehlerfreie Texte zu veröffentlichen, damit sie bei ihren Kunden einen professionellen Eindruck hinterlassen.

1b) Oder mit Komma?

  • Ich helfe Soloselbstständigen, (Komma) fehlerfreie Texte zu veröffentlichen, damit sie bei ihren Kunden einen professionellen Eindruck hinterlassen.

2) unterstützen dabei ... zu

2a) Ohne Komma

  • Als Lektorin unterstütze ich Soloselbstständige dabei mit fehlerfreien Texten ihre Kunden von ihrer profes­sionellen Arbeitsweise zu überzeugen.

2b) Oder mit Komma?

  • Als Lektorin unterstütze ich Soloselbstständige dabei, (Komma) mit fehlerfreien Texten ihre Kunden von ihrer professionellen Arbeitsweise zu überzeugen.

Kommaregeln vor dem Infinitiv mit „zu“

Komma ist Pflicht

Es gibt 3 Regeln, die vorgeben, wann Kommas Pflicht sind:

1) Wenn eine Infinitivgruppe mit „als“, „außer“, „ohne“,„(an-)statt“ und „um“ eingeleitet wird, muss davor ein Komma stehen.

  • Das ist in meinen Beispiel­sätzen aber nicht der Fall.
  • Ein Beispiel wäre:
    • „Ich helfe Solo­selbstständigen, um bei ihren Kunden einen vertrauens­würdigen Eindruck zu hinterlassen.“

2) Infinitivgruppen, die von einem Substantiv abhängig sind, stehen immer mit Komma.

  • Auch diese Regel greift nicht bei meinen Pitchs. Das Wort „Solo­selbstständige“ ist zwar ein Substantiv, aber es ist nicht der Auslöser für den Infinitiv mit „zu“.
  • Ein Beispiel dafür wäre:
    • „Als Lektorin besitze ich die Fähigkeit, Solo­selbst­ständigen durch ein sorgfältiges Lektorat zu professionellen Texten zu verhelfen.“

3) Wenn vor der Infinitivgruppe ein hinweisendes Wort steht, muss davor ein Komma stehen. Hinweisende Wörter sind zum Beispiel: „daran“, „darauf“, „es“, „dies“ oder „dabei“.

  • Das ist im Elevator Pitch 2) der Fall!
  • Dort steht:
    • „Als Lektorin unterstütze ich Solo­selbstständige dabei, mit fehlerfreien Texten ihre Kunden von ihrer professionellen Arbeitsweise zu überzeugen.“
  • Somit ist Beispiel 2b) mit Komma richtig und 2a) ohne Komma ist falsch.

Komma kann, muss aber nicht gesetzt werden

Jetzt wird es einfach: In allen anderen Fällen darfst du entscheiden, ob du ein Komma setzt oder nicht!

Zum Beispiel hier:

  • Wenn der Nebensatz mit „zu“ wirklich nur aus zwei Wörtern besteht, nämlich aus „zu“ und Infinitiv, dann muss davor kein Komma gesetzt werden. Auch wenn eigentlich die drei Regeln von oben greifen würden. Du darfst aber, wenn du möchtest.
    • Diese Regel passt nicht zu meinen Beispiel-Elevator-Pitchs.
    • Beispiele dafür wären:
      • „Seine Absicht[,] zu helfen[,] war nett.“
      • „Sie freute sich darauf[,] zu fahren.“
  • In allen anderen Fällen ist das Komma ebenfalls optional.
    • So ein Fall ist mein Beispiel-Pitch 1).
    • Zur Erinnerung:
      • „Ich helfe Solo­selbstständigen[,] fehlerfreie Texte zu veröffentlichen, damit sie bei ihren Kunden einen professionellen Eindruck hinterlassen.“
    • Hier gibt es weder ein hinweisendes Wort noch ein Substantiv, das den Infinitiv auslöst.
    • Daher ist es dir (oder in diesem Fall mir) freigestellt, ein Komma zu setzen oder nicht.

Fazit

Meine Elevator Pitchs sind also so richtig:

  • Komma ist optional:
    • Ich helfe Solo­selbstständigen[,] fehlerfreie Texte zu veröffentlichen, damit sie bei ihren Kunden einen professionellen Eindruck hinterlassen.
  • Komma ist Pflicht:
    • Als Lektorin unterstütze ich Solo­selbstständige dabei, mit fehlerfreien Texten ihre Kunden von ihrer professionellen Arbeitsweise zu überzeugen.

Tipp

Damit du es bei der Formulierung deines Elevator Pitchs so einfach wie möglich hast, empfehle ich dir, immer ein Komma vor dem Infinitiv mit „zu“ zu setzen. Denn Kommas verhindern Missverständnisse.

So haben folgende Sätze eine unterschiedliche Bedeutung, je nachdem, ob ein Komma gesetzt wird oder nicht:

  • „Ich empfahl ihr direkt zu schreiben.“
  • Der Satz kann je nach Kommasetzung zwei Bedeutungen haben:
    • „Ich empfahl, ihr direkt zu schreiben.“
    • „Ich empfahl ihr, direkt zu schreiben.“

Wenn du immer ein Komma setzt, musst du außerdem nicht jedes Mal zu diesem Blogartikel zurückkehren und nachlesen (auch wenn du das natürlich gerne darfst :)), sondern du setzt einfach routiniert ein Komma.

Kommas helfen deinen (potenziellen) Kunden schließlich dabei, deinen Pitch beim Lesen einfacher zu gliedern und somit schneller zu verstehen.

Und das ist es schließlich, was du willst: dass die Leser bei deinem Elevator Pitch sofort aufhorchen, interessiert sind und schließlich bei dir kaufen. Ohne, dass deine Leser von Komma­fehlern vom Inhalt abgelenkt werden. :)

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